Ende in Sicht- Ende mit Schrecken

Dienstag, 17.06.2014

Was wahrscheinlich bis jetzt die wenigsten wissen ist, dass meine Zeit hier eine überraschende Wendung genommen hat. Überraschend heißt, dass es für mich überhaupt nicht vorhersehbar war und mich daher mit einem harten Schlag in die Magengrube getroffen hat: Meine Gastfamilie hat zwei Wochen vor meinem letzten Arbeitstag meinen Vertrag gekündigt und mich somit mehr oder minder vor die Tür gesetzt.

Wie das gekommen ist, ist einerseits eine komplizierte Geschichte und andererseits doch so einfach, und zwar einfach unglaublich, weil das Ende der Geschichte neben dem fatalen Einschnitt meiner Zeit hier auch klar besagt: Alles war geklärt und es gab keine offensichtlichen Gründe für die Entscheidung meiner Gasteltern.

Damit ich das aber nicht vergesse und auch der ein oder andere Einblicke in die Achterbahnfahrt der Ereignisse und meiner Gefühle erlangt, schreibe ich hier so gut es geht alles auf:

Ich weiß nicht, ob es wirklich damit begonnen hat, aber ich glaube der Anfang der ganzen Verwirrung war ein kleiner Trubel um mein Urlaubsgeld.
Es ist nämlich so, dass ich als Au Pair, das ein halbes Jahr in seiner Gastfamilie arbeitet, einen Anspruch auf zwei Wochen bezahlten Urlaub habe. Davon kann ich 50% selbst festlegen, den anderen Teil darf die Familie beschließen.

Vor ein paar Monaten haben Jayne und ich schon besprochen, dass es wohl das Einfachste ist, wenn ich meinen Urlaub ganz am Schluss meiner Zeit hier nehme, nachdem ich schon aus der Familie raus bin. So müsste Jayne sich nicht extra Urlaub nehmen, wenn ich das tun wollte, und auch für mich schien es ganz praktisch, dass ich dann während meiner Reise mit Manuel noch Gehalt von zwei Wochen, sprich 300 Dollar, allmählich bekommen würde.

Vor 6 Wochen hat Jayne mir dann ganz nebenbei erzählt, dass sie mit sofortiger Wirkung jeden Mittwoch und Freitag als Urlaubstag für mich gebucht habe. 
Was das bedeutet, ist mir dann erst im Nachhinein aufgefallen: Natürlich würde ich dann nach meiner Zeit in der Familie gar nichts mehr bekommen.
Ich war mir nicht so ganz sicher, wie ich das jetzt finden sollte. Klar war mir ja, dass ich tatsächlich an diesen beiden Tagen kaum mehr arbeitete, aber andererseits hüpfte es auch durch meinen Kopf, dass ich schon zu Beginn angeboten hatte, mehr im Haushalt zu machen oder am Wochenende zu arbeiten, als Jayne angefangen hatte nur eine halbe Stelle zu arbeiten.
Es war mir ja auch nicht wohl bei dem Gedanken, für mehr bezahlt zu werden, als ich eigentlich arbeiten würde, aber meine Gasteltern hatten mir auf Grund meiner Bedenken und Angebote versichtert, dass das alleine ihre Entscheidung gewesen wäre und ich davon keine Nachteile tragen sollte. 
Sie haben gesagt sie wüssten, dass ich eine fleißige Biene bin und dass ich immer einspringen würde, wenn Not am Mann wäre. Das hat mich beruhigt und ich habe das dann so angenommen.

Auf jeden Fall war ich nicht sicher, wie ich den Alleingang Jaynes handhaben sollte, ich hatte schon an manch anderer Stelle das Gefühl, so viel mehr zu machen und zu geben, als ich von meinen Gasteltern zurückbekam, also sprach ich mit Freundinnen und suchte nach Beratung.
Alle meine Au Pair Freunde waren echt empört, gerade, weil meine Familie mich ja auch nicht aus Gutherzigkeit für 30 Stunden in der Woche "bezahlt" hat (so richtig kann man das ja so nicht nennen, es gibt ja nur 3 Euro die Stunde...), sondern einfach weil der Vertrag sagt, dass das Taschengeld bei 30 Arbeitsstunden Mindestgehalt ist. Plus 30 Stunden Urlaub heißt es doch, und nicht "wenn du weniger als 30 Stunden arbeitest, fällt dein Urlaub weg.". Und natürlich waren viele auch verstädnislos, weil ich 0% Urlaubstage selber festgelegen konnte, sondern offensichtlich alles Jayne betitelt hat.

Wie auch immer, es war ja nicht verwunderlich, dass meine Freunde total auf meiner Seite standen, also wendete ich mich an meine Programm-Managerin von Dream Au Pair- professionelle Hilfe von einer professionellen Agentur, dachte ich, die mir hoffentlich erwartungsgerecht objektiv sagen konnte, was im Vertrag drinsteht, was ich der Familie schulde und sie mir.
Geldangelegenheiten sind ja immer so eine Sache, das ist mir klar, ein heikles Thema, das ich noch nie zuvor angesprochen hatte, auch wenn mich meine Gastfamilie für das zweite Babysitten in einer Woche nicht bezahlt hatte, wenn ich deutlich mehr arbeitete, als ich bezahlt wurde oder wenn mir ein zusätzlicher Arbeitstag am Wochenende einen Strich durch die Ausflugsrechnung gemacht hat...
Mandy, die Frau von der ich glaubte, die für mich zuständig war, hatte gerade Urlaub wie mir eine elektronische Antwortsmail mitteilte, also sendete ich meine Mail mit der Bitte um Rat an eine weitere Programm-Managerin, die ich kannte. Mandy, meine eigene, leitete meine e-Mail dann selbst auch noch weiter an eine Kollegin.
Verblüffend war, dass ich zwei total unterschiedliche Antworten erhielt. Eine davon besagte, dass meine Gasteltern das ruhig so machen können, die andere beinhaltete, dass ich zumindest das Recht auf 50% meines Urlaubs hatte, ich einfach noch mal mit meinen Gasteltern sprechen sollte.

Ein bisschen enttäuscht, weil eine klare Antwort das Schlamassel doch so einfach hätte beseitigen könne, schob ich mal wieder mit Bauchweh den Anfang eines Gesprächs vor mir her- bis letzten Samstag.
Ich besprach mit meinem Gastvater, wie ich an diesem Samstagnachmittag denn arbeiten sollte und dann, als ich schon wieder beinahe die Kurve nicht gekriegt hatte, sprach ich ihn darauf an. 
Ich fragte eigentlich nur, ob ich das richtig verstanden hatte, dass ich nach meiner Zeit in ihrer Familie kein Urlaubsgeld mehr bekommen würde, es würde mich nur interessieren, weil ich ja selbst nicht meinen 50% benennen hätte können und es ja ursprünglich anders abgesprochen war. 
Ich glaube, ziemlich viele Stressflecken bahnten sich während meiner ein bisschen scheuen Frage einen Weg über meinen Hals ins mein Gesicht, dann kam aber auch Erleichterung, nachdem ich es endlich über die Lippen bekommen hatte.
Jon druckste ein bisschen rum, ich weiß nicht, ob er wie er das sagte, echt kaum was davon wusste oder ob es einfach an der unangenehmen Stimmung lag, dass er die harten Fakten unter den Tisch fallen ließ.
Auf jeden Fall sagte er, würden wir uns morgen nochmal zusammen setzten und das in Ruhe besprechen- ab diesem Moment bangte es mir vor dem Gespräch.

Mir war schon klar, wie meine Chancen standen, gerade weil ich auch noch ein letztes Mal Mandy um ein letztes Statement gebeten hatte, die mir eine klare Antwort verweigerte, weil sie noch nicht mit ihren Kolleginnen darüber gesprochen hatte.
Papa sagte, dass egal was meine Gasteltern sagen würden, ich einfach aktzeptieren sollte, weil ich ja nur noch zwei Wochen übrig hatte und ich jetzt keinen Streit mehr riskieren sollte.

Wie befürchtet saß ich als kleines eingeschüchtertes Häufchen neben meinen Gasteltern, an deren Tisch und in deren Haus. 
Ich schilderte wie mit meinen Eltern und Freunden abgesprochen, dass ich einfach verwundert gewesen war, weil sie die vorherige Abmachung übergangen hatten und dass ich eigentlich selbst dazu berechtigt wäre, 50% meines Urlaubs festzulegen.
Sie wiederum erwiderten, dass ich ja durch Jaynes Halbzeitarbeit die Möglichkeit gehabt hätte, noch in zwei anderen Familien zu arbeiten und mehr Geld zu verdienen, als mein Urlaubsgeld beinhalten würde und dass ich ja auch einfach weniger als 30 Stunden arbeiten würde.
Ich sagte, dass es ja aber auch nicht meine Entscheidung gewesen wäre, weniger in ihrer Familie zu arbeiten, erinnerte an viele Angebote der Hilfe im Haushalt und ihre Zusage, dass mich die Veränderung von Jaynes Arbeit nicht beeinflussen würde. Dass ich noch in zwei anderen Familien gearbeitet hatte, war ja meine eigene Initiative und hat mit Jayne und Jon nix zu tun, erklärte ich und auch, dass ich ja nicht als Au Pair nach Neuseeland gekommen bin, um in drei verschiedenen Familien zu arbeiten, sondern eigentlich in einer.

Die ersten Hiebe, die Jayne mir versetze war, als sie sagte, dass viele andere Familien auch einfach das Au Pair kündigen würden, wenn sie anfangen halbzeit zu arbeiten. Sie sagte, dass sie mich eigentlich gar nicht mehr gebraucht hatten und sie prahlte mit ihrer Gutherzigkeit, mich nicht rausgekickt zu haben.
Ich dachte, ich verstehe die Welt nicht mehr, weil es offensichtlich nicht stimmte, dass sie mich nicht mehr gebraucht hatten, sondern liebend gerne alle Vorteile und meinen Willen, immer als Hilfe die beiden zu unterstützen, ausgekostet hatten. Ein Au Pair ist nun mal eine billige Arbeitskraft.
Schon hier brach eine Welt für mich zusammen, weil sie mich in die Position des Bittstellers katapultiert haben, meine Abhängigkeit herausstellten und an den Pranger stellten, obwohl doch auch sie von mir abhängig gewesen waren. Auch sie wären wohl hilflos gewesen, hätte ich die Familie verlassen.

Ich war ein bisschen bestürzt und verwies auf alle zusätzliche Hilfe, die ich im Sinne des Zusammenwachsens erledigt hatte, immer ohne ein Wort der Beschwerde, im Gegenteil, immer lächelnd, weil ich die Beziehung natürlich fördern wollte!
Auch das wurde niedergeschmettert, Jon sagte, das müsse ich auch machen, immerhin würden sie mir auch das Dach überm Kopf bieten.
Und da war ich am Ende, willigte nur schnell dazu ein, dass sie mir kein Urlaubsgeld bezahlen würden und eilte in mein Zimmer, um einen Tränenausbruch vor den beiden zu verhindern.


....

Ende in Sicht- bin ich etwa doch verliebt?

Montag, 16.06.2014

Ob man es glauben will oder nicht, ich habe doch Gefühle etwickelt- und zwar für Neuseeland.
Wer hätte es gedacht- ich zum Beispiel nämlich eigentlich nicht. Wenn ich so zurück denke an meine ersten Monate hier und atemberaubende Eindrück, die mich auf der einen Seite in ihren Bann gezogen haben, dann erinner ich mich doch aber auch an das ständige Gefühl, mich unglaublich wieder auf Zuhause zu freuen, auf das Essen, die Kultur, meine Freunde, meine Familie.
Ich war überzeugt davon, nicht in Neuseeland verliebt zu sein und jetzt fällt mir auf, dass ich vielleicht dieses Stadium einfach übersprungen habe. 

Ich bin doch beeindruckt von der Landschaft, von der Schönheit dieser Welt, die offensichtlich hier in Neuseeland einfach auf wunderbare Weise zum Ausdruck kommt und ich finde es tatsächlich berührend, dass ein Land so viele verschiedene Seiten in sich birgt. Ich liebe die lebendigen Wellen, scharf und schön in dem klarblauen Meer, das Neuseeland umgibt. Ich liebe die Felsen, ich liebe das satte Grün der Natur, ich liebe die riesigen, ein bisschen knochig aussehenden Bäume und ich liebe 
die Pflanzen, die so weich aussehen, beige und wie riesige Federn.

Aber im Grunde glaube ich geht es auch nicht nur darum, es geht ja nicht nur um Schönheit.
Eigentlich ist da in mir drin ein anderes Gefühl, das ganz sachte "Heimat" flüstert. Es ist ein bisschen schwer zu beschreiben, aber ich fühle mich so unglaublich mit Neuseeland verbunden, dass mir auf einmal so klar wie nie ist, dass ich wieder zurück kommen werde.

Vor zwei Wochen war ich mit Jannette zwei Tage in Hamilton, das ist eine kleine, süße Stadt 2 Stunden südlich von Auckland.
Es war einfach gemütlich, durch die Straßen zu schlendern und als wir zu zweit vor unserer Pizza inmitten des Winters draußen auf der Terasse einer Bar saßen und den romantischen Lieder der Zwei-Mann-Band lauschten, war es mir einfach so klar. Das hier werde ich vermissen. Einfach diese ungezwungene Atmosphäre, der blaue Himmel über uns und den beiden Inseln Neuseelands, der die Sterne mystisch offenbart, dieses gemütliche, freie. Mein Leben am anderen Ende der Welt.

Ab Anfang Juni hat mich doch manchmal ein wenig Melancholie ergriffen, manchmal haben sich sogar ein paar klitzekleine Tränchen in meine Augen verwirrt, die mich sanft daran erinnert haben, dass die Zeit hier begrenzt ist und dass Neuseeland mich bald zwar nicht mehr umgeben wird, dafür aber tief in meinem Herzen bleiben wird, für immer.


Nach einem leckeren indischen Dinner hab ich in dem Pup in Hamilton den Entschluss gefasst, vielleicht doch noch ein Tattoo stechen zu lassen. Vielleicht nur klein, vielleicht nur für mich, aber einfach um die Verbundenheit nie mehr verschwinden lassen zu könne, die ich mit Neuseeland, mit den Menschen hier und all meinen liebsten Freunden, die ich hier gefunden habe (ganz besonders Jannette) erfahren habe.


 

Ende in Sicht!

Montag, 16.06.2014

Weil ich schon einen Monat keine Einträge verfasst habe, gibt es einfach uuunglaublich viel zu erzählen.
Ich werde versuchen, noch so viel wie möglich von meinen letzten Eindrücken hier einzufangen und aufzuschreiben, weil eigentlich wird es jetzt erst so richtig interessant. 
Damit das ganze nicht zu verwirrend wird, glieder ich das Ganze einfach in verschiedene Blöcke und einzelne Einträge, damit ich die Nerven behalte und ihr den Überblick. 

Ich lebe!

Montag, 19.05.2014

Am Wochenede war ich das erste Mal in Auckland City feiern. Ich habe ein bisschen Leben getankt und mich erinnert, was ich eigentlich will: Mein Herz soll brennen!
Wegen meiner chronischen Müdigkeit hatte ich "clubbing" in den letzten Monaten gar nicht angestrebt, geplant oder vermisst. Ich hab keine Trips gemacht, nicht nur wegen Geldmangel, sondern auch einfach, weil ich mal ein bisschen Ruhe im Sturm ersehnt habe. Ruhe im Anna-Abschieds-Sturm, Ruhe für meine aufgewühltes Inneres und Ruhe in Form von Ausschlafen.
Und das habe ich auch gebraucht, denn Herausforderungen hatte ich immer noch genug- sei es meine neuen Arbeitsstellen oder sei es einfach dieses treibende Gefühl in mir, das wohl andauern wird, bis ich mich wieder in Schmelz auf die Couch sinken lassen kann. (Nicht, dass das schlecht ist, aber einfach aufregend...) 
Statt Trips zu machen habe ich meine Wochenenden damit verbracht, mich umso mehr mit Freunden zu treffen, kleine Keime in blühende Freundschaftblumen zu verwandeln und den New Zealand Lifestyle und das coole Flair zu genießen.
Und jetzt ist mir so klar wie nie: Wenn ich nachhause gehe, dann habe ich tatsächlich nicht nur ein großes Stück an Reife gewonnen, nicht nur erfüllende Eindrücke gesammelt und mich vielleicht der größten Herausforderung meines Lebens gestellt, sondern auch Menschen in mein Herz geschlossen, die es durch und durch Wert sind und die vielleicht für immer darin bleiben werden. Einfach richtige Freunde!
(Und um ehrlich zu sein, hätte ich damit niemals gerechnet...)

Weil ich jetzt in den letzten Tagen feststellen musste, dass mir nur noch 6 Wochen in meiner Gastfamilie und in meinem neuen Freundeskreis hier bleiben, hat mich aber jetzt doch ein neuer Antrieb gepackt, der mich Pläne schmieden lässt für Trips, die ich eigentlich noch unbedingt machen will, der mir Kraft für die vielen langen Arbeitstage gab, die ich in den letzten Wochen hatte(es waren Ferien und so war mir die Ehre vergönnt teilweie 12 Stunden lang zu arbeiten..), der mich in einen unbestimmten Durst nach Ausgehen und lang wach bleiben versetzt hat und der mich schätzen lässt, was ich eigentlich hier habe.
Ich habe schon viel mit anderen Au Pairs drüber gesprochen, ich glaube solange ich hier bin und von Menschen umgeben, die genau das selbe machen wie ich, die mutig waren und sich in ein unbestimmtes Abenteuer gestürzt haben, -wie ich-, solange auf meiner Facebook Startseite eigentlich hauptsächlich Bilder von Au Pairs in Neuseeland auftauchen,- genau von den gleichen wunderbaren Orten, von den gleichen Aktivitäten, wie ich sie erlebt habt-, solange wird mir mein Abenteuer gewöhnlich vorkommen, nicht außergewöhnlich, ein bisschen alltäglich. 
Und obwohl ich das weiß, will ich versuchen, alles hier jetzt schon so besonders zu empfinden und nicht erst später zuhause, wenn es mir wie Schuppen von den Augen fällt.

Das mit dem unbedingten Streben, noch so viele Trips wie möglich zu machen, ist jetzt zum Beispiel wegen der vorangeschrittenen Zeit gar nicht mehr so leicht umzusetzten, weil viele Wochenenden einfach schon verplant sind: Einmal ist die Geburtstagsfeier von Charlie, an zwei anderen muss ich Babysitten, und dann sind da schon nicht mehr genug übrig, um alle meine Pläne zu verwirklichen.
Damit ich bei der ganzen Planerei nicht durchdrehe, muss ich mir jetzt einfach nochmal verstärkt ins Gedächtnis rufen, dass meine eigentliche Intention nach Neuseeland zu gehen ja gar nicht Traveln war und auch nicht, ganz Neuseeland einmal gesehen zu haben, sondern dass jede ermöglichte Besichtigung, jeder Trip und jede landschaftliche Neuerkundung ein Extra ist, dass ich nur zu meiner List hinzufüge und dass ich nichts auf meiner Liste verpasse- weil ich ja keine habe!

Ach, und was ihr ja noch gar nicht so genau wisst: Ich komme eigentlich richtig gut klar mit meinen neuen Jobs und kann, wenn ich wirklich sparsam bin, sogar noch bis zu 1000 Euro extra money verdienen/sparen! Das macht mich stolz und auch froh, weil mir die Geldsorge vor ein paar Wochen noch über den Kopf gewachsen ist. Ich hoffe, dass ich auf diese Weise und mit Hilfe meines Arbeitswillens so wenig wie möglich Schulden machen muss und dass ich die unumgehbaren so schnell wie möglich abbezahlen kann. 
Aber: Hab ich Mut, geht es gut! Und ganz meinem Glückskindmotto getreu: Wo ein Wille ist, ist meistens auch ein schöner Weg!

Zu den neuen Jobs: Mittwochs arbeite ich jetzt von 11 bis 18 Uhr in der Familie mit den beiden Schulkindern Jordan und Caitlin- es macht Spaß, gerade weil ich glaube, dass meine Arbeit richtig geschätzt wird.
Vier Stunden, das heißt von 11 bis 15 Uhr bin ich hier für Hausarbeit zuständig, anschließend für das Abholen der Kinder, Koordination der Aktivitäten und für's Dinner.
Weil ich ja immer alles perfekt machen will, war ich mir am Anfang nicht zu sicher, wie ich mit der neuen Belastung zurecht kommen würde. Wenn man neu irgendwo anfängt, weiß man ja eh nie so genau, was erwartet wird, und so habe ich mich beim ersten Mal mit noch ungenauen Arbeitsvorgaben ans Werk gemacht. Ich wusste nur, dass ich die Zimmer der beiden Sprösslinge aufräumen und die Wäsche waschen sollte, konnte mir aber nicht vorstellen, in welchem Ausmaß welche Erwartungen an mich gerichtet waren.
Dank meiner Mama, oder eigentlich eher meine Oma, die eine Zeit lang im Mädchenpensionat war, kann ich super jegliche Art von Wäsche und Kleidung zusammenlegen, ich weiß, dass die linke Seit im Schrank nicht zu sehen sein soll und dass die Schönste unter allen zusammengelegten Wäscheteilen die ist, bei der man keine Nähte und Ränder sieht, sondern nur weiche, ordentliche Kanten. 
Ach, und bei Hosen muss man vor dem eigentlichen Zusammenlegen auch immer den Schritt nach vorne ziehen- weist du Bescheid! ;-)

In jedem Fall hab ich fast einen Nervenzusammenbruch gekriegt, als ich gesehen hab, wie die Schränke der Kinder aussehen: Alles einfach in irgendwelche Schubladen gestopft, nicht zusammengelegt, nicht sortiert, Socken, Kleider, Röcke, Unterwäsche, Gürtel und Co. vertstreut über 10 Schubladen. 
Ich hab also erst mal angefangen alles auszuräumen, alles zusammenzulegen und dann schließlich jeder Kleidergattung eine Schublade zuzuordnen. Zwischendurch konnte ich mir ein bisschen Stolz nicht verkneifen, aber als dann auf einmal vier Stunden rum waren und gerade mal ein Kleiderschrank aufgeräumt war, keines der beiden Zimmern im Ganzen ist mir dann wieder ein bisschen schlecht geworden. 
Beim nächsten Arbeitstag hab ich dann mal sachte bei den Kindern nachgefragt, wie denn ihre Mama so auf Caitlins Schrank reagiert hat und ob sie eigentlich zufrieden mit mir gewesen sei (so sicher war ich mir dann sogar mit dem plitz blank aufgeräumten, ordentlichsten Kleiderschrank nicht mehr. Das kam, weil es mir  eingfallen ist, dass das Ganze vielleicht auch einfach Chaos mit System war, das ich in meiner Wäschezusammenleg-Arroganz zerstört hatte. Mir ist echt ganz heiß geworden, bei dem Gedanken, null Prozent richtig gemacht zu haben..).
Wie ein Stein ist es mir nach der Antwort vom Herzen gefallen: Rebecca hatte also nur so geschwärmt und sogar gesagt, dass sie froh wäre, mich jeden Tag beschäftigen zu können.
Als sie das auch dann noch mal zu mir selbst gesagt hat, war jeglicher Zweifel verschwunden und jetzt fühle ich mich rundum wohl- der viel rumgekommenen Papa hat mir auch schon wertvolle Tipps für die Australien-Reise gegeben und ich glaube, dass auch die Kinder mich ganz gut leiden könnten. Ich sie übrigens auch.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mich tierisch auf zuhause freue und hoffe, aus meiner verbleibenden Zeit alles auschöpfen zu können, was es auszuschüpfen gibt, Am Besten ohne Druck, ohne Stress, ganz locker und freundlich, so wie eben Neuseeland so drauf ist!

Es geht nur um's Schwimmen lernen!

Samstag, 03.05.2014

Hallloo!

Wie ihr wahrscheinlich schon gemerkt habt, berichte ich im Moment weniger über Ausflüge, als über mein inneres Geschehen und die Sinneswandlungen und Erkenntnisse, die wahrscheinlich jeder während eines längeren Auslandaufenthalts ganz alleine macht; einfach weil man sich selbst reflektiert, andere Menschen, eine andere und die eigene Kultur und weil man sich selbst ganz neu kennenlernt.
Wenn ich mir meine Einträge selbst so durchlese, kommt mir das teilweise schon ein bisschen wie Trübsal blasen vor, es klingt nach ein bisschen zu viel Zweifel, zu viel Suchen und zu wenig Finden.
So ist es aber nicht! Es ist in jedem Fall so, dass mir die Zeit hier richtig gut tut und dass ich sie auf keinen Fall missen möchte, ich entdecke und finde. All das, was ich hier habe, und auch alles Straucheln bringt mich doch um 100% weiter!
Einsam klinge ich manchmal ein bisschen und zu unsicher, aber das bin ich nicht.
Klar bin ich hier hauptsächlich auf mich alleine gestellt, vielleicht auch widererwartend auf  mich alleine gestellt, und ich würde auch schon sagen, dass das hier ist, als wäre ich ins kalte Wasser geworfen worden, ohne vorher schwimmen zu können. Deswegen strauchel ich so oft, manchmal löst das Unbekannte natürlich ein bisschen Angst aus, Trübsal, Zweifel, Unsicherheit...
Trotzdem ist mir klar wie nie, dass die Folgen davon viel entscheidender als die Anfangsgefühle sind: Es tut gut zu spüren, dass ich das schaffen kann, dass ich unwahrscheinlich schnell schwimmen gelernt habe und mich immer noch verbesser- ständig an meinen Gedanken, meinen Einstellungen und meiner Art zu Schwimmen feile, um später hoffentlich nie mehr unter zu gehen. Das ist Glück, oder etwa nicht? Die Bilanz besteht aus purem Glück!
Getragen von dieser ständigen Hoffnung auf Selbstständigkeit und dem Loslassen von Abhängigkeiten, die ich ja immernoch allzu deutlich spüre, bin ich eigentlich durch und durch glücklich.


Hier in Greenhithe ist jetzt ein anderes Au Pair angekommen, das ich am Mittwoch kennengelernt habe. Natürlich deutsch, wie fast jedes zweite Au Pair, dem man hier begegnet. Jayne hat mir letztens sogar davon erzählt, dass die Deutschen in dem letzten halben Jahr Neuseeland überflutet haben, teilweise werden jetzt sogar die Visa nicht mehr so ohne weiteres rausgegeben. Irgendwie krass!
Wie dem auch sei, als ich mich am Mittwoch mit Juliane und der "Neuen" Gina getroffen habe, ist mir aufgefallen, dass ich doch noch wirklich unbefangen gegegüber Fremden bin. Überrascht hat mich das vor allem, weil wohl jeder so nach einem Halt, nach echten Freunden sucht und ich eher geglaubt habe, dass ich mich jetzt, wo so halbwegs die Fronten geklärt sind, so innerlich verschließen würde. 
Im Malthouse, wo ich eigentlich jede Woche mindestens einmal bin, um mir bei netten Geplauder einen halben Brownie und Pommes (mehr erlaubt mein Budget nicht) zu gönnen, war es so super und lustig- klasse Abend!

Heute war ich beim Frisör, um meine undendlich langen Haare mal etwas zu kürzen und mal ein bisschen frischer auszusehen.
Ich hab mich über die kleinen grausen Härchen auf meinem Oberkopf beklagt und dann über die Antwort beim Frisör total gewundert: Ich dachte noch, dass das alles abgebrochene Haare wären, weil das Billigshampoo und das chlorige Wasser meine Haare bei der Länger völlig zerstören würden, und dann kam die Antwort: die Frisörin hat mich nämlich sogar direkt beruhigt und erklärt, dass die kurzen Haare sich nur so locken, weil die Luftfeuchtigkeit in Auckland eben sehr hoch sei. UUUUnd sie hat gesagt: "Das sind alles Babyhaare. Also neue Haare, die wachsen, weil man immer mal wieder Phasen hat, in denen viele Haare ausfallen. Wenn man Stress hat und viele Emotionen in sich trägt, ist der Ausfall-und Erneuerungsprozess verstärkt." Aha, dachte ich, dann liegt es wohl an meinen Stress hier. Die nette Frisörin ist dann fortgefahren, nachdem sie sich meine süßen Babyhaare genauer angeschaut hat: "Diese kleinen Härchen sind ungefähr ein halbes Jahr alt, dann hattest du wohl ein bisschen Stress rund um deine Abreise. Dann bist du doch auch hier her gekommen?"
Ich dachte nur so: Woooow, wie geht die denn ab?! Es war ja echt so, ich hatte voll den psyschichen Stress und Traurigkeit und ein Jatleg.
MIt gekürzten, weichen Haaren bin ich aus dem Laden herausspaziert und habe so für mich gedacht: Unbelievable, was Haare doch so alles verraten können... 

 

Ouuuu yes, baby!

Samstag, 26.04.2014

Gerade schwimme ich auf einer Welle Glücksgefühle- zwei Challenges an einem Morgen gemeistert! Jippiii!
Weil sich rausgestellt hatte, dass ich meinen Plan von der Kombination der beiden neuen Zusatzfamilien nicht umsetzten kann (weil beide mich Mittwochnachmittag brauchen), habe ich erst mal wegen meiner Entscheidungsunfähigkeit lange damit gehadert, was ich nur tun sollte.
Es sah ganz so aus, als müsste ich mich zwischen der Familie "Rebecca", deren Arbeitsbereich für mich aus Hausarbeit und zwei Schulkindern bestehen würde, und der Familie "Nicole" mit dem 11 Monate alten Baby und einem dreieinhalbjährigen Jungen entscheiden. Man war das schwierig, gerade weil mich die Angst gepackt hat, eine von beiden enttäuschen und im Stich lassen zu müssen.
Ich hab mit Jayne gesprochen, Papa, mit Freunden und mich dann einfach nach dem Bauchgefühl (das offensichlich von der Aussicht auf bessere Bezahlung und mehr verfügbaren Arbeitsstunden = Geld beeinflusst war) entschieden.
Vorgestern habe  ich schon Rebecca zugesagt und ich habe tatsächlich auch am gleichen Tag ein Mal Nicole angerufen, aber eben nur ein Mal. Damals ist sie nicht dran gegangen und ich habe den erneuten Versuch nun die ganze Zeit mit Bauchweh vor mir hergeschoben- bis ich vorhin aufgewacht bin und gedacht habe: Jetzt oder nie!
Und schwups hatte ich den Hörer in der Hand, während ich meiner Angst gegenüberstand, und dann war es sooo einfach! Wow!
Obwohl ich so lange geprobt hatte, was ich sagen würde, habe ich meinen vorgesehenen Text ganz links liegen gelassen und voll das unkomplizierte Gespräch geführt. Ich konnte es nicht glauben: Nicole hatte sogar Verständnis!
Was eigentlich zu einer Entscheidung gegen ihre Familie beigetragen hatte, war auch, dass sie die Stunden immer wieder reduizerte: Von anfänglich angepriesenen 10 Stunden blieben nachher nur noch 7 übrig; immer wenn sie eine Verminderung vorgeschlagen hab, ließ ich das einfach unkommentiert- ich glaube vielleicht ist das einfach doch ein bisschen zu teuer. 
Deshalb habe ich ihr heute als Entschädigung angeboten, dass ich von  dem Kompromiss 12,50 (rrsprünglich wollte ich 13,50 = Mindestlohn) Dollar für sie nochmals auf 11 Dollar reduziere, wenn ich ihr in der Zeit helfe, in der Rebecca mich nicht braucht.
Und jetzt ist alles super!

Danaben habe ich gerade eben Jayne darum gebeten, mir den halben Tag an meinem letzten Arbeitstag frei zugeben, damit ich Manuel vom Flughafen abholen kann.
Maaaan, wie lange habe ich das schon mit Bauchweh vor mir hergeschoben- 3 Wochen? 4 Wochen?- und auch das war wieder sooo einfach. "Klar!", hat Jayne gesagt. "Das kriegen wir hin."

Ich merke, je mehr Herausforderungen ich mich stelle, umso leichter fällt es mir, die nächste anzutreten. Wie aufgeregt war ich bitte, als ich mich Nicole vorgestellt habe und wie locker war ich, als ich zu Rebeccas Haus geschlendert bin. Wow, wow, wooooow!

Und noch zwei positive Wendungen:
1. Das Campen war suuuuper! Man, hatte ich doch die ganze Zeit so ein ungutes Gefühl bei der Sache und wollte schon alles ablasen und jetzt war es richtig toll!
Ich war echt wie ein Familienmitglied: Ich habe die Freunde von Jayne und Jon kennengelernt, mit Jayne ein Bierchen getrunken, war an allen Ausflügen an Board, habe so viel Zeit mit den vier Schätzen verbracht!
Zum Lunch wurde ich immer eingeladen und alles war ganz ungezwungen. Ich habe so süße Kinder kennengelernt, bin mit "meinen" ins Bett gegangen und mit ihnen aufgewacht und wir hatten uns richtig lieb!
Charlie hat sogar einmal (nach einem kleinen Maleur) in meinem Bett geschlafen und es war sooo lieblich!
Der Campungplatz war atemberaubend- oder vielmehr die Aussicht- und ich kann gar nicht sagen, wie gut mir diese Familienatmosphäre getan hat. Wuuunderbar!

2. In meinem Gefühl der Freundelosigkeit schwimmend ist jetzt endlich wieder Sofie da, die jetzt 2 Wochen unabkömmlich war. Nach langem Heimweh sind bis gestern ihre Eltern dagewesen, um sie zu besuchen. Jetzt hat sie Kraft getankt und wir haben uns endlich wieder gesehen: Gestern mittag Lunch im Malthouse hatten wir zusammen und abends einen tränenreichen DVD-Abend mit "The Last Song". 

 

Happy Easter!

Sonntag, 20.04.2014

Es ist Ostersonntag heute und ich sitze in meinem Zimmer. Gerade schüttet es draußen wie aus Eimern und das ist beinahe unglaublich- vor ein paar Stunden sind Jayne, Jon, die Kinder und ich noch durch den Garten gehüpft -trotz Herbst noch sattgrün im strahlenden Sonnenschein- und haben Eier gesucht; ich habe so viel gelacht und das Kinderstaunen, die Freude, das war echt zuckersüß! 

Morgen gehen wir Campen und trotz anfänglicher Skepsis bin ich jetzt wenigstens ein bisschen entspannter. Dass wir in Cabins schlafen wegen dem unbeständigen Herbstwetter, wie Jayne schon vor Wochen angekündigt hat, seh ich in jedem Fall als positiv an, trotzdem war da die ganze Zeit noch ein unbestimmt ungutes Gefühl, einfach Unentspanntheit, die mich belastet hat.
Ich hab mich gefragt, was ich mit meinen Gasteltern den ganzen Tag reden soll (muss ich dann den ganzen Tag Small Talk führen?) und wie das werden würde, ob ich mich einfach wie ein fünftes Rad am Wagen fühlen werde und ob ich das ertragen könnte.

Naja, in jedem Fall habe ich gestern erfahren, dass ich mir mit Charlie und Bonnie eine kleine Ferienhütte teilen werde und das hat mein Gemüt ein kleines bisschen erhellen können! Ich freue mich richtig darauf!


Gestern, nach erneuter Grübelei wegen dem Campen, aber auch vor allem über den Wert der Freunschaften hier und ob mich überhaupt jemand richtig leiden kann, ist mir mal wieder klar geworden, dass ich echt viel zu viel nachdenke und dass zu viel Sensibilät wirklich alles andere als ein Segen ist! Sie nervt mich und macht alles kompliziert!
Ich glaube, alles wäre so viel einfacher, wenn ich nicht ständig überlegen würde, wie ich alle am wenigsten belästige. Belästigen- dass ich mich wirklich im Stande fühle das versehentlich zu tun, kommt mir ja selbst ein bisschen lächerlich vor. Selbst der dümmste Blödmann könnte mich mit purer Anwesenheit nicht mal richtig belästigen, wieso sollte mir das dann passieren?
Mit dem ganzen sachten Tasten, mit meinem unguten Gefühl, wenn da nur eine Ahung in mir schlummert, ich könnte jemand anderen überrumpeln oder auch nur nicht hundert Prozent so handeln, wie er das für angemessen oder gut empfinden könnte, damit mach ich mich selbst ganz verrückt. Und wahrscheinlich die anderen auch... 
Dass ich diese abgedrehte Eigenschaft ein bisschen mildern kann und dass ich mal ein bisschen fluffiger in meinem Kopf werde, das mache ich mir als Ziel für diese Zeit hier!


Seit Jayne nur noch eine halbe Stelle hat, habe ich mittwochs und freitags frei und arbeite nur noch 3 Tage in der Woche. 
Als Außenstehender denkt man jetzt wahrscheinlich: "Boa hat die ein Glück!" , gerade, weil ich immernoch für 3o Arbeitsstunden bezahlt werde. 
Trotzdem war das am Anfang gar nicht mal so super: Zwei Tage frei bedeutete zwei Tage vollgepackt mit Langweile, weniger intensiven Kontakt zu meinen Kindern und mehr Zeit meiner Faulheit freien Lauf zu lassen- nicht gerade erfreulich. (Wegen der zurückgeschraubten Zeit mit Charlie und Bonnie freue ich mich jetzt gerade tierisch auf die gemeinsame Zeit in unserer Hütte!!!)
Weil ich aber ja auch uuunbedingt Geld brauche, ist mir natürlich sofort die Idee einer zweiten Arbeitsstelle gekommen und ich habe direkt begonnen, fleißig überall Werbung zu machen.
Im lokalen Lebensmittelgeschäft und im Kindy habe ich Notizen für "Babysitting and Child Care" aufgehängt, war sehr eifrig, jedem davon zu erzählen und habe auf diversen Au Pair-Seiten von meiner Verfügbarkeit als Part Time Nanny aufmerksam gemacht.
Weil sich niemand gemeldet hat, war ich schon beinahe dabei aufzugeben und mich zu überwinden, doch aufs Kellnern zurückzukommen. Das wollte ich eigentlich gar nicht, meine Unsicherheit wegen meines wirklich unvollkommenen Englischs hat diese Vorstellung echt horrormäßig erscheinen lassen!
Und dann hat mich das Schicksal als Glückskind mal wieder belohnt: Ich erhielt schließlich doch eine SMS von Nicole, einer Mutter hier aus Greenhithe, die mich braucht. 
Ich freute mich so sehr darüber, war aber auch ein kleines bisschen irritiert von der Tatsache, dass sie ein 11 Monate altes Baby hat. In diesem Gebiet bin ich echt 0 erfahren!
Nach anfänglichen Straucheln war aber auch das eine gute Neuigkeit: Wenn ich mich bedingungslos Herausforderung stellen wollte, wann war dann ein besserer Zeitpunkt als jetzt? War das hier nicht sowie die Zeit der Hürden, die es zu überwinden galt?

Aufgeregt machte ich mich auf zu dem ersten Treffen mit der Mutter (nachdem ich extra bei Anna vorbei geschaut hatte, um wenigstens einmal in meinem Leben eine Windel gewechselt zu haben...).
Sie war super nett, die Kinder richtig süß und ich wurde angestellt- peeerfekt!
Weil sie mich nur vier Stunden am Tag braucht, war ich noch froher, als sich jetzt eine zweite Arbeitsmöglichkeit geboten hat: Eine weitere Familie, diesmal mit Schulkindern.

Gestern habe ich mich dort vorgestellt und auch die wollen mich! Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich das zeitlich kombinieren kann und dann bin ich ein kleines Arbeitstier, das sich hoffentlich später kein Geld für das Traveln leihen muss! 
Meine Zuversicht gribbelt in meiner Brust, ich bin ein bisschen stolz und hoffe, alles läuft weiterhin so gut, wie es sich jetzt anfühlt!

Halbzeit...

Freitag, 28.03.2014

... und ich bin jetzt gerade richtig angekommen. Eben habe ich Charlie und Bonnie ins Bett gebracht, habe sie mit Gute-Nacht-Küssen überhäuft.
Wir haben so unbefangen und herzlich und warm und vor allem vertraut gekichert, dass mir plötzlich bewusst wurde, wie lieb wir uns gegenseitig haben und wie wichtig wir füreinander geworden sind- was für ein schönes und erfüllendes Gefühl!
Auch wenn ich von Ausflügen heimkomme, dann platze ich am nächsten Tag fast vor Freude, wenn ich die beiden Nasen vor mir stehen sehe und kann kaum glauben, wie sehr ich die beiden vermisst habe (was mir in dem Trubel während der Trips überhaupt nicht auffällt...).

Auch wenn ich um sieben Uhr morgens die Treppe hochgeschlurft komme, um meine Arbeit anzutreten, dann stürmt Charlie- sofern er schon wach ist- auf mich zu und umarmt mich und gibt mir die kräftigsten cuddles, sodass es mir ein warmes Grinsen auf's Gesicht zaubert und mir anschließend auch meistens gar nicht mehr sooo schwer fällt, motiviert und freundlich "Good morning!" durch das Obergeschoss zu flöten..

Obwohl das auf der einen Seite so ist, bin ich mir sicher, dass dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen mir und meinen Kindern während des Aufenthalts hier stetig und immerzu weiter wachsen wird. Ich werde wohl jede Woche aufs Neue denken, dass ich jetzt wohl so richtig angekommen bin, weil es immer noch intensiver wird, noch enger und lieblicher.

Trotzdem sagt mir ein Stimmchen in meinem Kopf: Ganz werde ich wahrscheinlich nie ankommen. Wie auch in sechs Monaten?
So richtig klar wird mir das allerdings erst, wenn ich an die Komplikation denke, die in jeder noch so kleinen Tätigkeit steckt. Das hat natürlich nichts mit den Kindern zu tun, aber zieht sich doch durch meinen Alltag wie ein roter Faden: Bis jetzt bin ich nämlich noch nicht ganz aufgetaut gegenüber meinen Mitmenschen, ganz oft drücke ich mich vor Gesprächen mit meinen Gasteltern, weil ich nichts falsches sagen will, und auch wenn ich Entscheidungen treffe bezüglich der Erziehung bleibt immer ein Restzweifel, ob ich jetzt im Sinne der Eltern gehandelt habe und auch, ob die Kinder im Falle einer Abweichung mich "verpetzten" werden.
Kompliziert ist, dass ich nicht genau weiß, wie wichtig ich die Freundschaft zu meinen neuen Bekanntschaften nehmen soll, ob sie mich wirklich richtig mögen, oder ob ich das einfach als Zwecksgemeinschaften sehen muss. Nerve ich vielleicht? Oder sind wir echte Freunde? Sogar fürs Leben? Oder Bekannte, die man mal irgendwann auf dem Abenteuer in Neuseeland kennengelernt hat?
Und wie ist das überhaupt mit dem Essen im Kühlschrank? Ist es vorgesehen, dass ich die Piklets und EnglishMuffins auch für mich zum Frühstück zubereite oder mir Nudeln zum Mittagessen kochen?
Als ich angekommen bin, hat Jayne mich gefragt, ob es was besonderes gäbe, das ich mir wünschen würde; ich habe natürlich direkt diskret auf Nutella hingewiesen... Nachdem das erste Glas geleert war, wurde anschließend nur noch fake-Nutella gekauft, bis ich mir jetzt aus meiner eigenen Tasche ein riesiges echtes Glas Nutella gegönnt habe. Das ist kein Problem für mich, weil ich ja auch der einzige Nutzer bin, könnte aber doch ein Zeichen dafür sein, dass ich versuchen sollte, meiner Gastfamilie nicht die Haare vom Kopf zu essen. Könnte aber auch sein, dass ich das total überbewerten. Und weil man es einfach niemals sicher weiß, ist es so verdammt kompliziert!

Ich weiß nicht, ob ich das schonmal erwähnt habe, aber insgesamt ist hier sowie fast alles anders als ich es mir vorgestellt habe. Ich glaube jedes Mädchen stellt sich vor, dass wenn es als Au Pair in eine Familie geht, sei es tatsächlich ein richtiges Familienmitglied- rosarote Welt! Und ich hab das natürlich irgendwie auch gedacht.
Ich habe gemeint, dass ich an den Wochenenden mit meiner "zweiten Familie" zusammen sein würde, dass ich mit ihnen gemeinsam Freunde besuchen werde, dass ich eigentlich gar keine Au Pair- Freunde möchte, nur Freunde, die auch Freunde der Familie sind oder Nachbarn oder sowas.
Ich hab auch gedacht, dass es super ist, dass ich nur 30 Stunden pro Woche arbeite und dass ich dann ja 50% meines Verdienstes sparen kann. Eigentlich habe ich gedacht, würde ich richtig Kohle machen...
Jetzt ist es komplett anders: Ich bin offensichtlich Gast, das merkt man ja an der Komplikation und der Unsicherheit, aber natürlich bin ich auch schon auf eine gewisse Art eine Freundin von Jayne und Jon. Gestern, als ich mit ein Paar Mädels in "Movies in Park" war, d.h. im kostenlosen Freiluftkino in einem Park, hat Janye mich rührend mit Sitzsack, Kuscheldecke und Picknickdecke versorgt, damit ich warm hab und auch generell führen wir manchmal so nette, kleine Gespräche, nach denen ich dann sogar manchmal denke: "Huch, wie lieb und einfach war das denn!?" ;-)
Auch Jon fragt oft, wie es mir geht, wie mein Tag war, also Fremnde sind wir schon laaange nicht mehr! Ich merke auch wie es mir zunehmend leichter fällt, mich einfach im Haus zu bewegen, ohne ständig Angst vom "Ertapptwerden" zu haben. Das hört sich jetzt vielleicht total bescheuert an und ein bisschen paranoid, aber immerhin ist ja das Haus meiner Gastfamilie deren privater und intimster Ort, da wo man normalerweise auch mal in Unterhose rumläuft, was durch mich ja beinahe unmöglich geworden ist! Ich war da schon immer sehr vorsichtig...

Insgesamt ist es mir, so wie vielen anderen Au Pairs, wie Schuppen von den Augen gefallen: Natürlich bin ich Gast, wie sollte das auch möglich sein, dass ich als Fremde von einem auf den anderen Tag in das Leben einer Familie trete und direkt einen Stellenwert wie das eigene Kind habe? Wie soll da plötzlich Vertrautheit sein, wenn man sich gerade ein paar mal in gebrochenem Englisch über Skype unterhalten hat?
Und das wichtigste: Man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass diese kleine, junge Familie doch schon vollständig ist. Die sind eine Familie, eine Familie die Hilfe braucht, die ich als Au Pair bin, um den Stressfaktor im wilden Balancieren von Familie und Arbeit zu senken.
Wenn die Familie unendlich Zeit hätte, sich jedem fremden Touristen anzunehmen, dann bräuchten sie kein Au Pair. Und klar haben die mich nicht aus Großherzigkeit aufgenommen, was auch völlig okay ist!
Von Nicola habe ich gehört, dass die Gastmutter beinahe stutenbissig immer wieder auf die "Familienzeit" hinweist und sie damit fast aus dem Haus verbannt- das finde ich wiederum gar nicht okay und so ist das bei mir zum Glück auch nicht. Ich weiß, dass ich am Wochenende nicht raus aus dem Haus muss und dass ich abends mit Jayne und Jon Fernsehen dürfte, aber das mag ich eigentlich nicht mal. Vielleicht weil ich mich selbst nicht als so enges Mitglied sehe.
Aber wer sich ein Au Pair mimmt, muss sich schon im Klaren sein, dass es Ausbeute ist, wenn man sich so abweisend verhält. Wenn man nicht damit klar kommt (gerade als Mutter, die das Au Pair ja auch schon als Konkurrenz berachten kann), dass da jemand ein enges Verhältnis zu den eigenen Kindern aufbaut, dass da jemand schon gewissermaßen Teil des privatesten Bereichs im Leben wird, dann darf man sich kein Au Pair nehmen. Ich zum Beispiel könnte glaube ich niemals ein Au Pair haben, mit dem ich mir den Mutterjob in gewisser Art und Weise ja schon teilen müsste, mit dem ich die Zeit mit meinem Mann und meiner Familie teilen müsste, das mein Privatleben schon sehr einschränkt...

Wie dem auch sei, hier sind im Moment meine Kinder die Ersatzfamilie, meine Ansprechpartner Jon und Jayne und meine Freunde andere Au Pairs, mit denen ich mich super austauschen kann, weil wir uns alle doch mehr oder weniger ähnlich sind und auch in Dingen Freizeitgestaltung und Interessen sehr eng beieinander liegen.
Es ist natürlich komplett anders als erwartet, aber eigentlich nicht schlechter, eher besser und sowieso viel lehrreicher und mehr Herausforderung. Ich reife.
Dass das mit dem Geld nicht läuft, wie ich mir vorgestellt habe, brauche ich gar nicht zu erwähnen. 90 Euro in der Woche reichen für Ausflüge hinten und vorne nicht und das ist eigentlich nicht das Unerwartete, sondern vielmehr das Traveln an sich, weil ich ja nicht mal Trips und Wochenendreisen geplant hatte.
Wieder anders, aber spannender, cooler und viel mehr Abenteuer!



Apropos: Die letzetn beiden Wochenenden, während denen ich auf mich für Neuseelanderkundung herumtrieb, waren wirklich schön! (Wie immer.. ;-) )
Das erste Wochenende habe ich mit Sofie, Johannes (auch ein Au Pair) und Anna E. in Roturua verbracht. Rotorua, da gibt's heiße Flüsse und prodelnde Quellen und Geysire.
Samstags morgens gings los, zuerst stand Wild Water Rafting an, was echt spannend war und wonach ich beschloss, meinem Adrenalindurst nachzugeben und vielleicht doch noch Bungee Jumping zu machen, anschließend Sommerrodelbahn und abends ein Spa. Der Tag war super teuer, ziemlich touristisch angehaucht und deshalb für mich irgendwie nicht bewegend, aber natürlich nice! Ich glaube mitlerweile, dass man nicht viel Geld ausgeben muss, um wirklich tolle Dinge zu sehen, dass Momente, die unter die Haut gehen, selten was kosten und ganz besonders, dass die typischen Touristenattraktionen tausend mal mehr kosten, als sie wert sind...

Sonntag haben haben wir ein Maori-Village besichtigt, das gegen unsere Erwartungen nicht aus earlier days stammt, sondern tatsächlich noch bewohnt wird. Der Kultur-Hunger, den man hier in Neuseeland wie während einer Trockenperiode ziemlich leicht kriegen kann, wurde damit leider nicht gestillt, immerhin haben wir aber gelernt, dass es in Rotorua nicht nur nach verfaulten Eiern stinkt (und das stimmt echt!), sondern es wirklich Menschen gibt, die in den natürlich heißen Becken kochen. Die Führung durch das Dorf (in dem sich die Menschen in ihrer Armut wohl wie im Tiergehege vorkommen mussten und mir schon fast ein bisschen unangenehm war) konnte mich nicht so vom Hocker reißen, wie auch nicht der Teil davon, in einer Menschenmenge um die eingezäunten und extra in Szene gesetzten heißen Becken zu stehen. Wie ich schon verraten habe war das wegen dem Touristentouch wirklich nichts besonderes, es war fast so wie im Zoo- wer wundert sich da schon über eine Gíraffe?! 
Was Eindruckvolles gab es aber dann doch noch in dem kleinen Dorf, nämlich  eine Show, die ein paar Maoris in bunten Trachten und lautstarken Gesängen präsentierten. Sie sangen mit wunderbar kräftigen Stimmen auf traditionelle und ergreifende Weise, tanzten kraftvoll und imposant, vor allem den Haka, ein alter Kreigstanz.
Eigentlich und insgesamt war die Führung ihr Geld nicht wert gewesen, die kostenlose Show dagegen den Führungspreis schon. Insgesamt habe ich also nix verloren. ;-)

Toll war es dagegen auch, wie Sofie, Anna und ich in einem heißen Fluss geschwommen sind, mitten in der Pampa und ganz kostenlos! Das war schon wieder Naturwunder pur und einfach unglaublich!


Nach einem lazy Wochenende war ich letzte Woche mit Anna E., Sofie und Nicola in der Bay of Island, meinem bis jetzt schönsten je gesehen Fleck auf Erden (was ich allerdings nicht an diesem Wochenende festgestellt habe-zu touristisch- sondern damals, als ich zum ersten Mal hier war).
 Von dort aus sind wir mit einer Bustour bis zum nördlichsten Punkt Neuseelands- heilig und wunderschön. Die Maoris glauben, dass dort die Seelen der Verstorbenen ins Meer tauchen, gerade weil dort auch noch zwei Ozeane aufeinander treffen. Der Blick war fantastisch, der Himmel so blau, die Wellen fesselnd und stark.
Unterwegs machten wir einen Zwischenstopp um auf riesigen Dünen Sandsurfen zu gehen- klasse Erlebnis und klasse Aussichten!
Blöd war, dass ich wir überall nicht lange bleiben konnten wegen der Bustour, die auf einen Tag beschränkt war. Es war ein bisschen wie einmal am Eis lecken, um es dann wieder weggenommen zu kriegen...
Am nächsten Tag die teure Bootstour konnte mit unserem günstigeren Segelerlebnis damals nicht mithalten, wir sahen zwar Delfine und das "Hole in the Rock", mir und Sofie wurde aber auch richtig übel und es war wieder wir im Zoo. Diesmal gab es nicht nur Giraffen, sondern auch Defline. ;-)


P.S.: Angefangen mit diesem Eintrag habe ich bereits letzte Woche, deshalb sind Daten und solche Dingen jetzt ein bisschen verschoben- macht aber ja auch nix.
Neuigkeit: Nach Stress pur, einer Kreditkarte, deren Monatslimit 1000 Euro war und somit das Flügebuchen ziiiemlich erschwerte, dem Erwachen, dass ich dank schlechter Beratung im Vorfeld und One-Way-Ticket nach Neuseeland jetzt 2300 Euro für die Flüge insgesamt bezahlen muss (womit ich über 1000 Verlust mache), vieler Tränen und Geldsorgen, ist es jetzt gebongt:
Manuel kommt am 26.06.an und das bedeutet 2,5 Wochen Neuseeland bereisen, 2,5 Wochen Australien und eine Woche Dubai!
Wie das mit dem Geld werden soll, ist mir noch nicht so klar aber ich strenge mich trotzdem an, richtig große Vorfreude aufkommen zu lassen.
Zumindest dass ich Manuel wieder sehen kann ich nicht abwarten...

 

Kurzer Einschub :-)

Mittwoch, 05.03.2014

Es läuft alles soweit gut.
Am Freitag hatte ich ein langes, ausführliches und beflügelndes Gespräch mit Jayne, das mit meiner Frage: "Ich bin ja jetzt schon eine Zeit lang hier; gibt es irgendwas, das dir aufgefallen ist,- sei es auch noch so klein- das ich verbessern könnte?" anfing.
So lange hatte ich mir dieses Gespräch schon vorgenommen und wegen dem Fernbleiben eines "passenden" Zeitpunkts immer aufgeschoben.
Und dann war er da, Jon war unterwegs und Jayne saß mit ihrem Dinner vor ihrem Tablett in der Launge.
Zuerst stand ich da und kam mir ein bisschen blöd vor, aber dann fingen wir wirklich an zu reden. Am Anfang spürte ich Stressflecken meinen Hals heraufkriechen und wie ich sachte anfing zu zittern, aber das war keine Angst, nur ein bisschen Anspannung.
Und dann nahm auch das Gespräch seinen Lauf, Jayne erzählte mir, sie sei so froh mit meiner Arbeit und ich würde einen wunderbaren Job machen. Wenn es etwas geben würde, das ich ändern solle oder sie sich auch nur minimal anders vorstelle, würde sie es mir bestimmt mitteilen. Dass das wichtig ist, sagte sie, hat sie aus den Aufenhaltszeiten meiner beiden Vorgängerinnen gelernt.
Aber sie fuhr fort, dass wenn sie mich bis jetzt auf die ein oder andere Kleinigkeit aufmerksam gemacht hätte, wäre ich immer sofort im Stande gewesen, das perfekt umzusetzten...Ich freute mich innerlich, erinnerte sie aber auch an so manche Streifen, die trotz mehrmaliger Erklärung von Jayne, wie ich die Arbeitsfläche richtig sauber machen solle und auch wirklichen Bemühungen manchmal einfach da blieben; Jayne lachte nur und  winkte ab: "Langjährige Erfahrung macht den Unterschied!"
Insgesamt war es wirklich eine intime und lockere Atmospähre-ich fühlte mich so frei und langsam verschwamm auch nach und nach der zuerst empfundene Stress. Ich setzte mich zu Jayne an den Tisch.
Dann gestand ich ihr auch, dass sie und ihre Familie schon Teil meines Herzens seien und ich das besonders bei der herzlichen Umarmung gespürt habe, die sie mir bei der Heimkehr von Coromandel gegeben hat. Jayne versichterte, das beruhe auf Gegenseitigkeit und meine Mundwinkel zogen sich unwillkürlich ein bisschen nach oben. Sie sagte, sie hätte sich so darüber gefreut, dass ich mich an ihre Präsentation, die sie letzet Woche spät abends vorbereitet hatte für die Arbeit, erinnert habe, dass ich sie danach gefragt hatte, obwohl wir uns so selten gesehen haben während der letzten Woche. Sie schien fast verzückt und ich war stolz wie Oskar, als sie meine Aufmerksamkeit bezüglich anderer lobte. Ich glaube sogar, ich wurde ein bisschen rot... :-)

Neben dieser Sachen sprachen wir auch über mein Anliegen, dass das nächste Au Pair wenn möglich länger bleiben sollte als 6 Monate- wegen meiner erfahrenen Unsicherheit diesbezüglich und dem Wunsch nach Beständigkeit für Bonnie und Chralie; Jayne stimmte zu und es fühlte sich so gut an, Übereinstimmungen in der Wahrnehmung und Einschätzung zu erfahren.


Nach diesem eher emotionalen Teil erklärte mir Jayne, würde sie sich wünschen, dass ich nach meinem Aufenthalt noch reise und dass ich mich nicht von dem ungewissen Interview als Teil der Eignungsprüfung, um Kunst zu studieren früher nach Hause ziehen lassen solle; dass es kein "vergeudetes" (halbes) Jahr sei, auf die nächste Chance auf eine Immatrikulation zu warten, sondern nur Inspiration; dass ich meine Mappe besser in Ruhe zu Hause anfertigen solle, nachdem ich mich wie ein Schwamm mit all den Eindrücken vollsaugen konnte.
Und gerade weil es mir so schrecklich schwer fällt Entscheidungen zu treffen, war ich so dankbar für diese klaren und ehrlichen, fast objektiven Worte.

Am Ende einer wunderbaren Stunde, die mir so manche Türen öffnete, umarmten Jayne und ich uns mehrmals und ich ging beglückt die Treppe hinunter in mein eigenes Zimmer in dem Haus der Ricens... :-)


Am Samstag waren wir auf einer Art Fashionshow mit ein paar Mädels, es war toll und interessant- ein bisschen Duft der großen, weiten Welt!
Die laute Musik floss in unsere Ohren und der Laufsteg wurde mit großen, schönen, aber teilweise auch beängstigend professionellen Models geschmückt und belebt. So was hatte ich noch nie gesehen, befremndend und attraktiv zugleich.
Anschließend ist aber eine Sache passiert, über die ich schon die ganze Zeit nachdenke und die mich fast mehr beschäftigt, als der Rest meines "lazy weekend"s:
Eine Freundin und ich sind mit dem Bus von Auckland zurück Richtung Greenhithe gefahren und als wir ausstiegen, sagte sie: "Ich versteh üüüberhaupt nicht, warum die ganzen Leute sich hier immer bedanken beim Busfahrer." Sie rümpfte ihre Nase und in mir fing es an zu brodeln.
In der Tat ruft beinahe jeder, der den Bus verlässt, ein lockeres "Thank you!" zu dem Fahrer und diese nette Geste ist mir auch schon in England, als ich dort für zwei Wochen Sprachreise war, aufgefallen. Auch ich bedanke mich hier meistens, weil ich es einfach schön finde, dass nicht alles als selbstverständlich angenommen wird, weil ich es für so wichtig halte, dass man schätzt, was andere für einen tun.
Ich hab nur gesagt: "Also ich finde das eigentlich wirklich toll!" und die Freundin daraufhin, dass sie das unnötig findet.
"In welchem anderen Job bekommt man denn sonst ein "Danke"?! ´"
Ich wurde ein bisschen ungehalten und verstand das überhaupt nicht, sagte nur: "Es wäre schön, wenn in jedem Job deine Arbeit geschätzt wird."
Uuund daaann sagte sie doch tatsächlich wieder so herablasssend, dass sie auch schon in den Flugzeugen den Applaus auch noch nie verstanden hätte, der aber jetzt auch "zum Glück" abgeschafft sei. Sie hätte da ja sowie so nie mitgemacht.
Ich wurde echt ein bisschen sauer, sagte nur schnell was von "Werteverlust unserer Gesellschaft", weil ich sonst echt ausgeflippt wäre.
Ich frage mich echt, wie man so denken kann?
Wo führt das denn bitte hin?
Wie kann man mit so einer Einstellung Vorbild für kleine Kinder sein?
Wiiiieeee geht das zum Teufel?

Unglaublich, dass ich mich jetzt, fast eine Woche danach immer noch so aufrege, aber ich finde das eben einfach traurig. Traurig für die Welt und traurig für die Menschheit und seeehr traurig für mich!
Andererseits: Sie steht mit ihrer ignoranten Meinung alleine gegenüber einer großen Gruppe aufmerksamer und menschlicher Neuseeländer- eigentlich doch noch beruhigend!

Aaaber dafür war heute ein schöner Tag: Ich war zum ersten Mal im Zumba und auch gar nicht so schlecht, der Brownie, den ich mir anschließend mit Anna geteilt habe, war lecker und glücklich bin ich durch die Sternennacht zurück gefahren, zu meinem Zuhause auf Zeit.
Schön, dass ich hier bin und lerne, was ich will, wie ich leben möchte, wie nicht, was ich gut finde, was nicht und so viele nette Menschen kennenlerne!
BEREICHERUNG!

Hallo nochmal!

Mittwoch, 26.02.2014

Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, schreibe ich im Moment leider relativ selten neue Einträge, ich glaube, es hat sich so ein zwei-Wochen-Rythmus eingestellt.
Schade ist das vor allem für mich, weil ich auch kein Tagebuch im Moment führe, sondern diesen Blog als so eine Art "roten Faden" betrachte, dessen Zusammenfassungen ich mir später ausdrucken kann und zu dem ich dann passend die betreffenden Bilder in ein Album klebe.

Mit dieser Idee bin ich schon ziemlich zufrieden, trotzdem würde ich jedem empfehlen, der ebenfalls mal ins Ausland geht, neben einem Blog noch ein handgeschriebenes Heft zu haben, wo man akute Gefühle niederschreiben kann. Um ehrlich zu sein: das fehlt mir.

Oookay, aber jetzt zum eigentlichen Geschehen am anderen Ende der Welt:
Schon fast 2 Monate bin ich nun hier und meine Gefühle fahren Achterbahn! Im letzten Eintrag habe ich noch davon erzählt, eigentlich das Gefühl zu haben, dass etwas zu wenig Zeit bis zum Rückflug bleibt, und jetzt -fast zwei Wochen später- hat sich das beinahe 180 Grad gedreht:
Ich fühle mich immer noch wohl und es ist immer noch so, dass wenn mir jemand einen kostenlosen Flieger nach Hause anbieten würde, ich den jetzt niemals nehmen würde, aber doch merke ich mehr und mehr, dass ich mich schon jetzt sooo sehr wieder auf zu Hause, die gewohnte und geliebte Umgebung, freue. Manchmal ist es schon fast Sehnsucht, dieses Gefühl, und manchmal bin ich fast traurig, dass ich noch 4-5 Monate warten muss. 

Ich merke, dass ich eher nicht der Typ zum Weltbereisen bin, dass ich auch eigentlich eher gewohnheitslieben bin und dass ich vor allem niemals auswandern könnte!
Vielleicht ist es, weil ich mich nicht wiiirklich in Neuseeland verliebt habe (was nicht heißen soll, dass ich es nicht wunderbar und atemberaubend finde) und auch daran, dass mir meine Arbeit hier zwar Spaß macht und ich Bonnie und Charlie liebe und auch alle gewinnenden Eindrücke, aber dass ich immer noch auf der Suche nach vollständiger Erfüllung bin, die ich bis jetzt noch nicht in dem erwarteten Maße gefunden habe...

 Trotz alledem macht mich mein ungeheurer Gefühlsflüge-Hunger zu einem kleinen Tier auf der Suche nach purer Freude, und ich kann nur sagen:
Dieses Wochenende hat ihn für den Moment stillen können!
Ich komme mir ein bisschen töricht vor, dauernd von den tollsten Sachen mit Jubeltönen zu berichten und wahrscheinlich scheint es unglaubwürdig und wie eine Hyperbel, aber so wie ich es schreibe, so empfinde ich das wirklich! Und wahrscheinlich kann man auch gerade deshalb nicht verstehen, wie dann trotz dieser fabelhaften Erlebnisse diese Sehnsucht nach mehr Gefühl und mehr Abenteuer und purem Leben in mir weiter bestehen kann... und ich muss zugeben, ich weiß es selbst nicht genau.

Auf jeden Fall sind wir (Nicola, Juliane und deren Host dad) am Samstag morgen mit dem Auto los nach Central Auckland zum Treffpunkt, wo der Bus wartete- und das trübe Wetter hat nicht gerade die schönste Vorfreude verursacht. Dass der Busfahrer dann ein junger Verrückter mit Rastazöpfen war und irgendwas von "sweet ass" durch Mirko gebrüllt hat und damit mein Bedürfnis nach Schlaf unberücksichtigt lies, war am Anfang ebenfalls nicht so erfreulich für mich.
Aber dann hab ich schon so was gespürt in der Luft, als der Bus plötzlich immer voller und voller wurde und die Musik aufgedreht wurde und das muntere Spiel "speed dating" ins Leben gerufen wurde, das mir sagte: Rebekka, es könnte doch lustig werden. ;-)

"Speed dating" bedeutet, dass ein Sitzpartner in einem rotierenden System immer den Platz wechselt, sodass jeder immer mit einem anderen und meist fremden Teilnehmer der Fahrt nach Coromandel reden konnte und musste- drei Minuten lang. Was jedem am Anfang ein bisschen auf den Senkel ging, entwickelte sich dann doch zu einem lustigen Zeitvertreib und ich lauschte gespannt so mancher Motivation, nach Neuseeland zu gehen als junger Mensch und entweder ein Praktikum zu machen, oder eben Au Pair zu werden.
Weil selbst meine Eltern und Manuel anfänglich nicht so ganz verstehen konnten, warum ich das eigentlich machen wollte, was ich zum Teufel damit genau bezwecken wollte und warum es ausgrechnet das andere Ende der Welt sein musste, tat es gut zu hören, wie zufrieden alle mit ihrer Entscheidung waren und mir darüber klar zu werden, dass es manchmal nicht auf die Motivation ankommt, sondern darauf, dass man sich traut.

Wie auf einer Fahrt in einen Jugend-Sommer-Partyurlaub fühlte sich die Busfahrt an und gab mir das Gefühl, dass ich 200 Dollar recht gut investiert hatte.
Nachdem wir unsinnigerweise, um Schnappschüsse vom verregneten Busch zu machen, einen Zwischenstopp im Nirgendwo gemacht hatten, folgte die Ankunft am ersten Ziel. Eine Wanderung zur sagenumwobenen Cathedral Cove stand auf dem Plan.
Die liebe Jannette erbarmte sich und schleppte meinen Rucksack (in dem aber auch ihre Sachen drin waren!), weil ich -wie bei jeder minimalen sportlichen Betätigung- anfing zu Hecheln wie ein Hund. Das ist wirklich gerade hier im hügeligen Neuseeland und immer wieder merklich das Blöde an meiner Unsportlichkeit: Alle wissen es, alle lachen darüber, ich bin die Langsamste von (fast) allen.
Naja, als wir dann nach schönen Aussichten endlich am Meer ankamen, war es dann sogar wirklich warm. Obwohl ich es vorher als eigentlich total unsinnig einstufte, mir noch einen Strand anzusehen, konnte ich die Anstrengung auf dem Weg dahin mal wieder nicht bereuen. Es sah fantastisch aus und noch fantastischer war das, was wir anschließend machten:
Schnell schlüpften wir aus unseren Kleidern in die Schwimmsachen und sprangen ins Meer. Wir stürzten uns mit einer Menge junger Leute in die riesigen Wellen, wir wurden überschwemmt, wir jaulten und wir jubelten.
Das prickelnd kalte Wasser auf der Haut und Sonnenglitzern am Horizont- umwerfend.

Auf der Jagd nach den höchsten Wellen, dem meisten Adrenalin strahlten wir mit der Schönheit der Cathedral Cove um die Wette und einmal hatten wir sogar richtig Angst, als wir überwältigt von einer riesigen Riesenwelle unter Wasser geschleudert wurde und ich sogar gegen ein anderes Mädchen gedonnert wurde.
Tolle Erfahrung!

Im Bikini mit nackten Füßen ganz nach Kiwi-Art und nur einem Top übergeworfen meisterte ich den Weg zurück zum Bus, wo ich meiner Müdigkeit nachgab und ein Schläfchen hielt.
Nächster Stopp war wieder ein Strand und ich hatte wieder gar nicht mal so viel Bock, einen weiteren zu bewundern. Obwohl man dort in den Sand Löcher buddeln konnte, die sich dann mit heißen Wasser füllen ganz von alleine (man kann sich sogar echt verbrennen dabei!), war ich hier weniger überwältigt. Es könnte an der Touristenflut gelegen haben.. ;-)

Abends, nach einem gemeinsamen BBQ gings auf in eine Kneipe, die mit der Masse an partywütigen jungen Interns und Au Pairs wohl ihre beste Zeit erlebt hat. Wir tanzten wie die Wilden und das war wunderbar- solche Ausgelassenheit habe ich wohl auch vermisst!

Auch die Sea Kayak Tour am nächtsten Tag war die Anstrengung wert und trotz Paddelunstimmigkeiten mit meiner Kayakpartnerin Jannette war es toll und lustig!!!

Als ich nach Hause gekommen bin spät abends, erzählte ich zuerst Jon, den ich auf dem Weg in mein Zimmer traf, von der tollen Zeit und als Jayne dann dazu kam, musste ich sogar zu ihr hüpfen und sie fest drücken und umarmen. In solchen Momenten fühle ich mich dann echt nicht nur integriet, sondern auch gemocht und das ist so gut und irgendwie auch sehr wichtig für mich!
Obwohl ich manchmal echt schlimme Konflikte in meiner Brust habe, weil manche Erziehungsmethoden so vollkommen anders sind, als ich sie anwenden würde, fühle ich mich doch von meinem Herzen her meistens ungeheuer wohl. Wenn ich an Jayne und auch gerade die Kinder denke, gribbelt es sogar in mir drin und ich kann aus tiefsten Herzen sagen, dass ich sie alle sehr lieb habe!

Trotzdem möchte ich zum Beispiel ungern mit Jayne und Jon zu Abend essen. Ich weiß nicht genau, warum ich dieses Gefühl habe es lieber nicht zu machen, aber ich glaube, dass es eher an meiner Unsichertheit liegt als an den beiden. Ich bin wirklich gespannt, ob und in wie fern, aber auch wann sich dieses Gefühl,  doch ein Stück zu Hause hier zu sein bei meiner lieben Gastfamilie, vollkommen anfühlt. Vielleicht wenn ich gehe?
Als meine Nachfolgerin wünsche ich mir ein Au Pair, das ein ganzes Jahr bleibt. Ich will, dass sich "meine" Kinder nicht erst an sie gewöhnen und sie als Anker in ihrer kleinen Welt betrachten und sie dann wieder gehen lassen müssen. Ich wünsche mir ein bisschen Beständigkeit für die zarten Kinderseelchen und ich bin auch ein bisschen traurig, dass ich sie Bonnie und Charlie nicht geben kann.

Das ist auch einer der Gründe, die die allgemeine Unischerheit verursachen. Darf ich mich abends zu Bonnie legen, wenn sie im Schlaf weint? Darf ich sie so an mich gewöhnen an meine grenzenlose Liebe und das Stück Geborgenheit, das ich ihr versuche so gut es gut und so herzlich es geht zu schenken?
Nicola sagt "Das ist doch das Ding beim Au Pair sein" und ich weiß auch selber, so wie meine Eltern, dass ich jetzt nur das geben kann, was geht. Was man hat, das hat man, oder so ähnlich.
Trotzdem ist das nicht so leicht.

Ich hab Manuel lieb, und Mama und Papa, ich vermisse Kathi, Lina, Kim, Lara, und so manch anderen lieben Menschen zu Hause! Ich denke an euch!

 





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